Schönhalden-Hüeneri

Abseits der Massen im Sarganserland

Start: 1498 m.ü.M, Ziel: 1498 m.ü.M, Min: 1245 m.ü.M, Max: 2206 m.ü.M
Weg: 8 Std, 21 km, ↗ 1329m, ↘ 1329m, GPX-Track, KML-Pfad, Karte

Wenn in der Schweiz von den bekanntesten Wanderungen die Rede ist, dann fällt eine Name relativ bald, die Fünf-Seen-Wanderung im Pizol. Selbstverständlich ist diese Wanderung abwechslungsreich, doch die Bekanntheit dürfte wohl auch damit zusammenhängen, dass die dortigen Bergbahnen die Tour nun schon seit Jahrzehnten entsprechend vermarkten.

Wer lieber etwas abseits der Massen wandert, wird quasi gleich nebenan mindestens so schöne Pfade vorfinden, wenn nicht gar viel schönere. Nur sind diese nicht so bekannt. Dies wohl primär deshalb, weil das Gebiet zwischen dem Weisstannental und den Flumserbergen mit dem öffentlichen Verkehr nicht erschlossen ist. Es gibt zwar eine Alpstrasse von Mels hinauf zum Chapfensee (lädt im Sommer zum Baden ein) und weiter bis zur Alp Cholschlag, doch ein Postauto oder Büsschen dort hinauf fährt leider nicht.

Die einzige Möglichkeit, die Region mit dem ‚öffentlichen‘ Verkehr zu erreichen, führt über Flums, mit dem Postauto Richtung Flumserberge bis zur Station Saxli, Saxlirank. Von dort fährt ein kleines Hotelbähnli hinauf nach Schönhalden, wo einen ein neu erbautes Berghotel (der Altbau wurde vor zwei Jahren durch ein Feuer vernichtet) erwartet. Günstig ist die Fahrt hinauf dann, wenn das Kombibillet Fahrt + Essen (mit Anmeldung) gebucht wird.

Eine Anmeldung dürfte allerdings ohnehin zu empfehlen sein, denn bei zwei Vierergondeln können pro Stunde maximal 40 Passagiere befördert werden, die Betriebszeiten dauern von 8 Uhr morgens bis zum Feierabend. Wer im Berghotel übernachtet, fährt mit der Bahn ‚gratis‘.

Ob mit oder ohne Übernachtung, die Tagestour zum Hüneri ist nicht kurz. Ein Nachtessen zum Abschluss sicher keine schlechte Wahl, und dank den Fahrtzeiten der Bahn bis zum Feierabend bleibt für Wanderung wie gemütliches Essen auch genügend Zeit.

Beim Berghotel führt unsere Route zunächst zu einem lauschigen Wasserfall und dann weiter zur Alpstrasse, die von Mels hinauf zur Cholalp führt. Wir laufen kurz abwärts und nehmen bald die Abzweigung Richtung Schwenditobel. Kurz erblicken wir den Chapfensee, der unter uns am Morgen im satten Blau entgegenleuchtet.

Nach dem Wald, es bimmelt und klingelt schon weit davor, begrüssen uns die Kühe links und rechts des Weges. Alles in allem geht es mit den Vierbeinern friedlich zu und her, der Anstieg hinauf zum Chaltbad ist da deutlich anstrengender.

Und wie der Name so schön sagt, oben auf der Ebene locken grosse runden Trinkbrunnen für die Kühe zu einem kalten Bade. Wem dies, wie mir, viel zu kalt ist, geniesst den Blick ins Sarganserland, ins Fürstentum bis hinüber nach Österreich. Die Zivilisation ist fernab von uns, der weite Blick über das Tal sehr erhaben. Die schroffen Wände der Churfirsten zur linken und die steilen Wände des Pizols und des Ringelspitzes zur rechten Seite stehen im starken Kontrast zu unserem lauschigen Hochplateau, wo es fast nur grüne, saftige Wiesen gibt.

Der Weg führt nun nach rechts über einen zunächst breiten Wiesengrat. Der Pfad ist nicht wirklich ausgesetzt, und doch geht es zuweilen steil hinunter, etwas Nähe zu den Kindern dürfte schon angebracht sein. Oben lockt eine Wiese mit vielen Grasbüscheln. Wer nicht aufpasst, landet – wenn auch ungefährlich – in den Furchen dazwischen. Den Hüehnerchopf, liebevoll Hüeneri genannt, gilt es am Schluss kurz zu besteigen, schwierig ist der Aufstieg nicht. Viele Wanderseelen verirren sich im Sommer nicht auf diesen Gipfel, dies im Gegensatz zum  Winter, wo der Hüeneri ein sehr beliebter Ausflugsberg für Ski- und Schneeschuhtouren ist.

Nach einer ruhigen Rast auf dem Gipfel geht es hinunter zum Sattel und nochmals etwas hinauf zum Rund- und  Madchopf, ehe der Weg nach rechts hinunter zur Alp Chläui führt, ein stetig Auf und Ab. Wer (wie wir) lokale Mit- und Vorwanderer bei sich hat, kann beim ersten Sattel auch nach rechts ganz und gar steil einen Grashang hinunter direkt zur Alb Chläui steigen.

Auch wenn nur die ersten hundert Meter markant schwierig sind, alleine (mit zwei Kindern) hätte ich den Weg mit der Abkürzung nicht genommen, und so findet sich diese Abkürzung auch nicht auf dem hier publizierten Track.

Ganz egal, ob auf dem offizellen oder gesuchten Pfad, landschaftlich bietet der Abstieg eine bizarre Landschaft zwischen sattem Grün, schroffen Felsnasen links und rechts und vielen Passagen, wo einem das bröckelnde sattviolette Schiffergestein fast schon in marstechnischer Abiente entgegnleuchtet.

Dazwischen prächtige wilde Blumenfelder und schroffe Schreie von Murmeltieren, Kuhglockengeläut allenthalben. Und plätschert oben das kleine Bächlein, so begleitet einem etwas weiter unten ein rauschender Bach.

Ab und zu eine Radlergestalt hinaufschnaubend, einmal ein Wanderer von hinten mit Riesenschritten, zur rechten Seite kurz ein kläffender Hund von der nahen Alp, der Talweg hinunter zur Cholalp ist nicht kurz, aber ungemein kurzweilig. Bei der Cholalp die Einkehr im urchigen Beizli, im Laden nebenan gibt es vorzügliche Alpbutter, Käse mit Thymian und frisches Yoghurt, wer hier nicht zugreift, ist selber schuld.

Etwas später grunzen die Schweine um die Wette, es kreischt und quietscht, als ginge es um Leben und Tod, dabei geht es profan gesagt nur ums Futter. Eindrücklich, wie 175 Schweine ihr Futter finden. Der Älper, der zehn Minuten zuvor noch die Getränke servierte und den Käse verkaufte, gibt nicht ohne einen gewissen Stolz Auskunft, die Schotte (Molke) werde mit einer Leitung von der ca. 300 Meter liegenden Alp direkt in die Futtertröge geleitet, das Füttern so natürlich ein Kinderspiel.

Bevor er im Stall verschwindet, meint er zu uns Zaungästen hinauf, er müsse nun noch das Strohbett für die Schweine herrichten, dies gehöre halt auch dazu. Ein Nachtlager für die Zweibeiner gibt es auf der Cholalp leider nicht, und so wartet auf uns nochmals ein gutes Stück Weg, bis das Tagesziel erreicht ist. 

Wie gut es sich im Berghotel Schönhalden übernachten lässt, kann nicht gesagt werden, da wir unterhalb der Alp Schwarzenberg bei Freunden in einam Maiensäss übernachten. Abends, an diesem Sommertag, fegt ein Gewitter über das Tal her, binnen zehn Minuten sind die umliegenden Berggipfel weiss bedeckt. Ob mit Schnee oder Hagekörnern, können wir trotz Feldstecher nicht abschliessend klären. Letztlich suchen wir an diesem Abend aber auch nicht nach Antworten auf Wetterkapriolen, sondern vielmehr bald darauf das Bett auf.

Anforderungen: Die Tour stellt bergtechnisch keine allzu grossen Anforderungen (maximal T3), auch wenn es einige ausgesetzte Stellen gibt. Die Anreise über Schönhalden muss geplant werden, wer die Tour, weil er unten beim Bähnli wartet, erst um 10 Uhr startet, wird abend sehr spät ankommen. Abkürzungsmöglichkeiten gibt es fast keine, alternativ könnte allenfalls nach Weisstannen gewandert werden.

Beste Jahreszeit: Sommer und Herbst, Schneefelder im Frühling auf den zum Teil ausgesetzten Hängen dürften kaum Freude bereiten.

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