Auf unbekannten Pfaden über Märetschalp und Illpass
Start: 1333 m.ü.M, Ziel: 2177 m.ü.M, Min: 1327 m.ü.M, Max: 2553 m.ü.M
Weg: 7 Std, 13.65 km, ↗ 1570m, ↘ 726m, GPX-Track, KML-Pfad, Karte
Es gibt Tage, die beginnen einfach nicht so, wie sie müssten. Letztlich sollte aber, wer eine Wanderung über fast sieben Stunden plant, bei der Vorbereitung vielleicht auch besser abgeklärt werden, wann die Bergbahnen fahren.
Um die Wanderung beginnen zu können, ist das Bähnchen von Turtmann nach Oberems zu nehmen. Ansonsten gilt, weil dieses ganz schön weit vom Bahnhof Turtmann entfernt liegt, wer auf dem Weg zur Talstation bummelt, wartet gut und gerne eine Stunde länger, denn das Bähnchen wartet nicht.
In unserem Fall war es aber noch anders, das Bähnchen fuhr nämlich gar nicht, weil im Frühling und Herbst jeweils für einige Wochen Wartungsarbeiten anstehen. An sich gebe es ja einen Ersatzbus, doch dieser sei erst eine Stunde später verfügbar, beschied die Stimme am Telefon von der Bergstation.
So orderten wir ein Taxi und während der Fahrt hinauf erkundete sich die Stimme von oben (als verfolgte sie uns), ob Gäste transportiert würden, die unten ungeduldig gewesen seien.
Bei bestem Herbstwetter machen wir uns auf den Weg, doch bald gibt es die ersten Hinweise, der Weg über die Märetschalp sei infolge Arbeiten im Wald gesperrt. Zum Glück ist für die Sperrung 18. Juli bis Ende September angegeben, wir aber wandern Mitte Oktober. Von Oberems geht es auf einem geteerten Fahrsträsschen in die Höhe. Ein grosser Laster kommt entgegen, der Chauffeur lässt die Scheibe runter, es sei hier infolge Holzschlags verboten durchzugehen.
Unser Argument, dass die Sägegeräusche von weit links kämen, wir aber rechts durchgingen und der Weg im Oktober nicht mehr gesperrt sei, wird nicht erhört, die Scheibe wird hochgefahren, der Laster saust davon. Wenig später die Abzweigung nach rechts, nochmals ein Schild mit dem Verbot.
Obwohl wir im Oktober laufen, sind wir uns uneins. Und dabei hatte ich es am Vortag ja eigens abgeklärt. Die Märetschalp wurde (einige Tage zuvor) als problemlos begehbar beschrieben. Dabei wurden gar die unsinnigen Verbotsschilder explizit erwähnt.
Damit hier keine Missverständnisse aufkommen, es ist durchaus gefährlich, bei Holzschlag zu wandern. Nur wenn ein Weg auch dann noch gesperrt ist, wenn er offiziell wieder geöffnet sein sollte und wenn auf der gegenüberliegenden Seite (wir sind hier an der Sprachgrenze) die Informationen nur in Deutsch angebracht werden, und gleichsam falsch sind, dann bringt dies herzlich wenig.
Letztlich konnte beim Hochwandern festgestellt werden, ja, die Sägen waren in Aktion, doch muss dies wegen der verrotteten Späne viele Wochen zurück der Fall gewesen sein.
Aufgrund des Kompromisses, dass zunächst eine Person den Weg erkundet, sind wir (zusammen mit dem nicht fahrenden Bähnchen) mittlerweile um ca. zwei Stunden verspätet, erst weit nach zwölf Uhr sind wir auf der unteren Märetschalp.
Da noch fast fünf Stunden Weg vor uns liegen, bleibt leider wenig Zeit, die urtümliche und wilde Landschaft in vollen Zügen zu geniessen. Von der unteren geht es in einem Zickzackkurs zur oberen Märetschalp, wo einen kleine (Stau-)Seelein erwarten.
Nur sehr wenige Menschen treffen wir an, fast immer sind wir alleine unterwegs. Ob es an der Sprachgrenze liegt? Wahrscheinlich eher daran, dass der Meidpass, der von Gruben nach St. Luc führt, bekannter ist. Die Variante über Oberems ist landschaftlich in jedem Falle aber deutlich abwechslungsreicher, und länger ist diese Route auch nicht.
Es folgt ein sanfter Auf- mit anschliessendem steilen Abstieg zum Illsee. Der Ausblick ins Tal und zum Illhorn hinüber ist von der Staumauer aus erhaben. Es fühlt sich fast schon so an, als würden wir fliegen. Nur der anschliessende Aufstieg zum Illpass ist nicht ganz so bequem wie der Flugzeugsessel.
Der Pfad ist mehr als steinig, wir benötigen viel Zeit, ehe der höchste Punkt, der Illpass, erreicht ist. Höher hinauf — mit eindrücklichen Blicken in den Illgraben — ginge es noch zum Illhorn, doch dafür reicht die Zeit heute nicht.
Längst sind wir alleine unterwegs, es ist vier Uhr am Nachmittag. Der Weg zur Bergstation der Standseilbahn, die hinunter nach St. Luc führt, ist lang, es zieht sich in die Länge, ob die Bahn noch fährt, wir hoffen es.
Mit den besten Blicken in die Viertausender des Zinaltales erreichen wir die Bergstation Tignouse aber nicht vor 17:30 Uhr, das letzte Bähnchen jedoch fährt um fünf Uhr. Und so machen wir uns nach sieben Stunden auf den bitteren Weg hinunter nach St. Luc.
Immerhin, der Weg ist gut, es gibt viele weiche Abschnitte auf Gras, doch droht bereits weiteres Ungemach, denn das letzte Postauto in St. Luc fährt kurz vor sieben Uhr. In Gedanken nächtigen wir bereits in St. Luc, was aber in verschwitzten Kleidern ohne Ersatz nicht erste Wahl darstellte. Die Zeit rennt uns irgendwie davon, und doch gab es ein Happy End.
Als wir oberhalb von St. Luc auf die Hauptstrasse einbiegen, hält ein grosses Auto. Der freundliche Herr, ein Pastoralassistent aus der Region Basel, nimmt uns freundlicherweise mit bis nach Vissoie, das letzte Stück bleibt uns erspart, und für eine kurze Erfrischung im Restaurant reicht es auch noch.
Abschliessend sei hier festgehalten, wer die Wanderung von Oberens nach St. Luc unter die Füsse nehmen will, sollte früh loslaufen, ansonsten deutlich über acht Stunden am Ende doch an Stimmung und Körper nagen dürften.
In unserem Fall hatten wir am Ende Glück. Nicht immer wird wohl ein Automobilist Taxifahrer spielen. Der Vollständigkeit halber sei hier auch noch erwähnt, unterwegs gibt es keine Verpflegungsmöglichkeiten, daher unbedingt genügend Nahrung und Tranksame mitnehmen.








