Varazze-Genova Voltri

Dem Meer entlang in die Vororte von Genua

Start: 9 m.ü.M, Ziel: 6 m.ü.M, Min: 3 m.ü.M, Max: 213 m.ü.M
Weg: 6 Std, 21 km, ↗ 533m, ↘ 536m, GPX-Track, KML-Pfad, Karte

Der 1. April 2017 beginnt früh, das leckere und sehr süsse Morgenessen startet um 7:30 Uhr. Obwohl das Regenwetter einem jede Wanderfreude verdirbt, tun wir gut daran, den Zug um 8:15 nach Varazze zu nehmen, der nächste Zug würde erst zwei Stunden später wieder fahren. Ein Start (mit oder ohne Regen!) um 11 Uhr mit 21 Kilometern und ca. 550 Höhenmetern wäre reichlich spät.

Da wir den frühen Zug knapp erwischen, startet unser Abenteuer pünktlich um 9 Uhr, und zwar ohne Regen. Wir schlendern durch die (noch) leere Altstadt, geniessen das Wiedersehen mit all den bekannten Orten vom letzten Jahr und gelangen schliesslich zum Lungomare in Varazze, jenem äusserst malerischen Wegstück, das auf einem alten Trassee der früheren meernahen Eisenbahn direkt der Küste entlang verläuft.

Bald schon haben wir das Meer in seiner gesamten Pracht zur Seite, geniessen Wolkenspektakel und hoffen einfach darauf, dass die düsteren Regenwolken in Genova verbleiben – wir sollten im übrigen Recht behalten, auf der gesamten Etappe gibt es keinen Tropfen Regen.

In Cogoleto findet der schöne Lungomare leider sein Ende. Es folgt nun ein meist geteerter (aber autofreier) Rad- und Wanderweg entlang der Küste bis nach Arezano. Dabei passieren wir schöne Villenviertel, leider aber auch eine alte Eisenbahngallerie, die mit einem hässlichen Überbau einer Feriensiedlung nicht nur den einstigen Stolz der früheren Zeit komplett verloren hat, sondern überdies auch noch übel riecht. Mann denkt dabei unschwer an undichte WC-Abflüsse oberhalb und ist froh, dass der Spuk nach ca. 200 Metern vorbei ist. In Arezano geniessen wir in einer kleinen Bar das Mittagessen, in einem noch kleineren Laden kaufen wir Früchte und Getränke ein. Nach Arezano gibt es bis zum Etappenende keine Möglichkeit mehr, Essen und/oder Getränke aufzuladen.

Der Weg verlässt die Küste und steigt relativ steil an. Zunächst säumen noch Villen unseren Weg, später wird es einsamer, aber auch interessanter. Mal haben wir geteerte Strässchen, mal sind es Feldwege und mitunter gibt es auch kleine Pfade, denen wir entlang laufen. Verschiedentlich wandern wir oberhalb der Autobahn, mitunter mit nebenher brausenden Karossen und dann wieder unterqueren wir ehrfurchterregende kilometerlange Brücken der Strada A10, die Genua mit Frankreich verbindet. Irgendwann ist unser Weg mit Pflastersteinen gesperrt. Als Wanderer ignorieren wir derartige Absperrungen natürlich genüsslich, um später doch feststellen zu müssen, es könnte schwierig werden.

Der Weg ist auf ca. 20 Metern abgerutscht und erscheint zunächst unpassierbar, ehe wir auf der Seite einen kleinen Trampelpfad entdecken, der die weggespülte Strasse elegant umschifft. Nochmals Glück gehabt, der Rückweg mit anschliessendem Umweg über die Hauptstrasse hätte ca. 6 bis 8 Kilometer Mehrweg bedeutet. So aber schlendern wir entspannt dem Meer entlang. Später kommt uns auf einsamen Pfaden ein Krankenwagen entgegen, gleich oberhalb in der Kiesgrube, die als Motocross-Piste dient, hat sich wohl ein Unfall ereignet. Ohne Motor geht es sicher weiter, um dann vor bellenden Hunden zu landen – manchmal wäre ein Motor (zumindest für die Flucht) auch von Vorteil.

Die Kinder haben Angst, doch unser Weg lässt die Hunde rechts liegen und steigt in die Höhe an, um sich wenig später irgendwo im Nirvana zu verlieren. Dem Navi folgend passiert aber das, was aufgrund der Vorbereitung erwartet werden kann: Kurz darauf befinden wir uns auf einem neu geteerten Strässchen, das zum kleinen Weiler Borgo Nuovo führt. Vorbei an einem prall gefüllten Parkplatz queren wir malerische Wochenend-Häuschen, eine mehrtägige Siesta mit Blick auf das Meer, wer würde da noch weiterwandern wollen?

Da uns die Schlüssel zu den Residenzen fehlen, wir somit auf einem harten steinigen Weg nächtigen müssten, trampeln wir weiter, das Ziel, die Station Genova Voltri ist nicht mehr weit entfernt. Kurz nach halb sechs Uhr erreichen wir die Station. Der Versuch, am Automaten Tickets zu erwerben, scheitert, weil der rote Trenitalia-Kasten nicht arbeitet. Wir entdecken ein Schild, wonach Fahrscheine an der Bar gekauft werden können. Dumm nur, dass die Bar gar nicht geöffnet hat. Ehe wir den definitiven Entschluss fassen, zu Schwarzfahrer/innen zu mutieren, öffnet die Bar ca. 5 Minuten vor Abfahrt des Zuges gerade noch rechtzeitig, damit wir mit gültigen Fahrscheinen zurück nach Genova Piazza Principe gondeln können.

Der Zug hält an vielen Stationen, die allesamt den Namen 'Genova mit einem Zusatz versehen' tragen, wir müssen nach Genova Piazza Principe. Irgendwann hält der Zug in Genova Piazza Principe Sotterranea, diese Station ist nicht identisch mit der Station Genova Piazza Principe. Doch hält der Zug in Piazza Principe Sotterranea, so gilt es dennoch auszusteigen, denn dann hält er nicht in der oberirdischen Station Piazza Principe. Mit einem halbstündigen Umweg über Genova Brignole gelangen wir schliesslich zurück nach Piazza Principe, diesmal im übrigen oberirdisch. Der Fussmarsch von Piazza Principe Sotterranea hinauf zu Tageslicht hätte ca. 150 Meter betragen, der Umweg über Brignole lohnt sich daher keinesfalls.

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