Zu Fuss nach Florenz

Weiter südwärts dem Meer entlang

Hätten wir 2016 gewusst, dass wir 2017 weiter nach Süden wandern wollten, hätten wir wohl nicht den kürzesten Weg von Aosta ans Meer genommen, sondern wären wohl eher der Via Francigena gefolgt. Doch die Via Francigena hat den Nachteil, dass das Meer (von Aosta aus gesehen) erst nach drei bis vier Wochen – und auch nur kurz – gestreift wird. Gerade weil hier zwei Wochen Frühlingsferien nicht reichen, hatten wir uns 2016 gegen die Via Francigena entschieden. So gesehen war der Entscheid im Jahre 2016 schon richtig, denn ohne Mittelmeer im Jahre 2016, würde es 2017 wohl gar nicht erst weitergehen.

Bei der Vorbereitung für das Jahr 2017 stellte sich die Frage, von wo aus die Reise weitergehen sollte. Varazze als Ausgangspunkt südwärts erscheint zunächst nicht sehr interessant. Zwar gibt es in Ligurien den Sentiero Liguria (gute Homepage, wenn auch italienisch), der einen in 14 Etappen von Varazze bis an die Grenze zur Toskana führt. Allerdings sind die Teilstücke von Varazze bis nach Genua nicht wirklich einladend, entweder geht es den Hauptstrassen entlang durch Genua, oder dann sind zu den bereits 14 Etappen weitere Teilstücke ins Hinterland notwendig, um Genua zu umwandern.

Immerhin, nach Genua kann dem Sentiero Liguria in weiten Teilen gefolgt werden, vom ‚Umweg‘ über Portofino einmal abgesehen, sodass hier mehr oder minder gute Wanderwege bis zur Toskana zur Verfügung stehen. In der Toskana angekommen, kann der Via Francigena gefolgt werden. Als Ziel hätte sich zunächst Lucca angeboten, doch nach einigen Überlegungen und Recherchen im Netz schlugen all unsere Herzen ganz einfach für Florenz, auch wenn die Via Francigena gar nicht dort hinführt.

Eine erste Recherche sorgt für Heiterkeit: Graphhopper.com schlägt bei Ausgangspunkt Varazze und dem Ziel Florenz eine Fährfahrt über Korsika und Livorno vor. Google Maps führt einen zunächst auf allen Hauptstrassen nach Rapallo und von dort mit der Fähre nach Portovenere sowie einem weiteren Fährhüpfer grösstenteils über das Wasser zum Ziel. Interessant auch der Hinweis, dass die Reise über gesperrte und private Strassen führt, so ganz nach dem Motto: ‚Lustig ist das Wanderleben!‘.

Selbst QMapShack findet praktisch nur Hauptstrassen vor und nach Genua. Der Versuch, Genua zu umwandern, wollte einfach nicht gelingen, mal schnell 50 Kilometer ‚Umweg‘ und einige Tausend Höhenmeter mehr wären die Folgen gewesen. Mit viel Kleinarbeit (Satellitenbilder und neue Routing-Daten) konnte ein Weg gefunden werden, mit dem eine Route von Varazze nach Genua abseits der Hauptstrassen und doch nahe bei der Küste machbar ist. Wer Genua weiter durchwandert, landet nach der sehenswerten Altstadt zwar bei Brignone für einige Kilometer auf Vorortsstrassen, mehr Asphalt gibt es aber nicht.

Wer nun glaubt, die Wanderung dem Meer entlang verlaufe ohne Höhenmeter geradeaus, irrt gewaltig. 750 Höhenmeter im Schnitt (mal sind es auch fast das Doppelte) über 14 Etappen, das ist nicht nichts. Genaugenommen sind es 10500 Höhenmeter, im Vergleich dazu ist die Route von Aosta nach Varazze mit weniger als 6000 Höhenmetern weit entspannter. Auch die Tagesetappen wurden länger. 2016 waren im Schnitt 18.5 Kilometer zu bewältigen, 2017 sollten es 22.5 Kilometer werden. Ungeplant (auch dazu später mehr) sind aus den 14 Etappen deren 15 entstanden, womit der Tagesschnitt bei deutlich ‚humaneren‘ 21 Kilometern liegt.

Wer mag, kann zudem die erste Woche (jene mit den meisten Höhenmetern) auch ohne Gepäck wandern, die Zugsverbindungen zwischen Genua und La Spezia sind sehr gut. Ganz so schlimm, wie es auf den ersten Blick erscheint, ist die Sache daher nicht.

Wem die Etappen zu lang bzw. anstrengend erscheinen, kann die Strecke auch in kürzere Teilstücke einteilen, entlang der gesamten Strecke sollten sich genügend Unterkünfte finden lassen. Zu beachten ist einzig, dass sowohl die Cinque Terre als auch die Toskana äusserst beliebte Reiseziele sind, die Etappenorte sollten daher möglichst früh gebucht werden.

Berechnung der Zeitangaben: Die angegebenen Wegzeiten basieren auf einer Geschwindigkeit von 4.5 Kilometern und 400 Höhenmetern pro Stunde. Beispiel: 9 Kilometer Weg und 400 Höhenmeter ergeben eine Wanderzeit von 3 Stunden.

Start: 9 m.ü.M, Ziel: 53 m.ü.M, Min: -1 m.ü.M, Max: 751 m.ü.M
Weg: 97 Std, 314 km, ↗ 10602m, ↘ 10558m, GPX-Track, KML-Pfad, Karte

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